Grafik-Design interkulturell: IranGraphic Design intercultural: IranGraphic Design intercultural: Iran

In einer Serie mi dem Titel “Grafik-Design interkulturell” will ich über meine Erfahrungen als Designer in verschiedenen Kulturen berichten damit wir vielleicht alle unseren professionellen Horizont erweitern können. Das Ganze beginnt mit dem Iran.

Bitte schaut Euch auch die Gallerie an. Sie zeigt ein paar schöne Beispiele iranischen Grafik-Designs. Natürlich ist es nur eine kleine Auswahl und kann niemals die immens große Vielfalt wiederspiegeln.

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“Iran????!!?!?!?!?! Bist Du wahnsinnig?”

Diese Frage kann ich mir vor meiner Abreise beinahe täglich anhören. Unverständnis, Mißtrauen, Angst. Doch wie sieht es wirklich dort aus, wo keiner hin will? Nach ein paar Jahren als Designer in Deutschland – zwischen Fast-Erfolg und Kinder-Kriegen – fällt der Entschluss: Raus in die Welt, Horizont erweitern. Jetzt oder nie. Aber wohin?

Nach langem Hin und Her komme ich auf die Einladung einer guten alten Designer-Freundin zurück. Ich sei immer herzlich willkommen … dämmert es in mir. Warum eigentlich nicht, denke ich jetzt?

Außer dem, was die Medien mir täglich servieren, weiss ich nichts über Land, Kultur und Leute. Zeit mir selber ein Urteil zu bilden. Ein paar Anrufe, eine Fahrt zur Botschaft nach Frankfurt und schon bin ich in Teheran.

Da ich schon in Deutschland als Freelancer vom eigenen Schreibtisch arbeitete, bin ich örtlich nicht unbedingt gebunden. So kann ich auch weiter lokale Arbeitssuch-Zeit mit Projekten aus der Heimat überbrücken. Durch meine iranische Freundin bekomme ich jedoch zum Glück schnell Anschluss ans iranische Kreativgeschehen.

Die islamische Republik Iran: Politisch einzigartig und auch das Landeslogo selbst ist für iranische Verhältnisse einzigartig in seiner Einfachheit, denn iranisches Grafik-Design liebt meist das Muster und die Verspieltheit, wie ich schnell bemerke.

Unglaublich herzlich und gastfreundlich in meinem neuen Zuhause aufgenommen, gehe ich durch die Straßen der 20-Millionen-Stadt Teheran und sehe Lichter. Nein, kein LSD im Chai, sondern Neonleuchtreklame auf der Straße. Bei uns nur für bestimmte Etablissements üblich, dominieren hier überall die Farben Neonblau, -rot und -grün die Szene. Alles leuchtet und blitzt im fast-selben-Font und in genormten Gröen. Dennoch wirkt es dank fehlender Wasserwagen alles andere als genormt. Überall arabische Schrift. Die ungewohnte Optik des anderen Schriftsystems wirkt inspirierend. In dieser Straße sehe ich keine Poster, keine Litfaßsäulen, keine Citylights und keine Billboards. Die wenigen Werbeflächen die mir zu Gesicht kommen sind mit religiösen Regierungsmotiven bemalt. Sie zeigen Märtyrer, Imame, weiße Tauben und stilisierte Regenbogen.

Eine Straße weiter sehe ich ein erstes Billboard. Wow: Der neue Nissan. Die Copy sagt: der neue Nissan. Das Bild zeigt den neuen Nissan. Hm. Hab ich was übersehen. Nein, es gibt ihn noch: den guten alten “Neger vor Hütte. Unerwarteterweise soll er mir noch oft in der islamischen Republik über den Weg laufen.

Nach einigen Tagen in der Stadt stelle ich fest, dass Werbung für Faltencreme mit Pfirsichen und für “Always” mit Rosen anstatt mit Frauen gemacht wird. Hier machen Grenzen kreativ. Es gibt doch mehr Werbung als anfangs gedacht– bis auf wenige positive Ausnahmen, wie z.B. für die Charity Organisation MAHAK jedoch meist leider ideenlos und produktorientiert.

Ich frage mich, wo ich Poster von Konzerten etc. finden kann. Auf einer Party der recht jungen Kreativszene lädt mich ein neuer Freund zu einer Grafik-Design-Ausstellung ein. In Deutschland nur bei berühmten Designern der Fall, erfahre ich, dass hier Ausstellungen auch für Normalsterbliche üblich sind.

Einige Tage später mache ich mich also auf zur Ausstellung. Auf dem Weg sehe ich ein surreales ROSHD-Rice Plakat an einer Brücke hängen, das mit Fotos von Babies, Elefanten, Reis, Papageien und Eiern für Basmatireis wirbt. Alle Motive sind auf eine Größe skaliert, Copy gibt es nicht. Photoshop kann man eben an jeder Ecke für 5 Dollar kaufen.

Nach 1,5 Stunden in einem 35 Jahre alten IranKhodro Taxi – nur 3 Blocks weiter – endlich angekommen, freuen sich meine Augen. Die Plakate, die ich sehe, glänzen voller Gespür für Typografie, Form und Farbe. Der mir unbekannte Designer zeigt Posterarbeiten zu einzelnen Wörtern, die sich alter kalligraphischer Stile bedienen. Er mischt diese uralte persische Kunstform mit modernen Reproduktionstechniken und setzt das Ergebnis gekonnt in ein minimalistisches Umfeld. Es erinnert mich an Kunst.

Mit der Zeit beginne ich zu verstehen, dass es eine wirklich klare Abgrenzung zwischen Kunst und Design hier nicht gibt. Durch einen Freund werde ich eingeladen, einen Vortrag für professionelle Designer am VIJE – college for visual communication in Teheran zu halten. Ich freue mich und will unter anderem das Thema Kunst/Design ansprechen. Auch die Diskussion nach dem Vortrag zeigt, dass beides gerne verwechselt wird. Viele junge talentierte und aufgeschlossene Designer sind anwesend. Ich bin überrascht.

In den folgenden Wochen sehe ich immer wieder spannende Poster und beflügelnde Buchlayouts. In puncto Corporate Design fehlt jedoch Strategie. Es lässt sich größtenteils weder systematische Logoarbeit noch konstante CD-Implementierung finden.

Wunderbare Muster, tolle kalligraphische Einflüsse, inspirierende mythologische Stoffe, jedoch oft Mangel an Konzept. So erlebe ich nach einiger Zeit im Land iranisches Grafik Design: mit einem Hang zum Verspielten, aus der Tiefe der kulturellen Traditionen schöpfend und von einer Liebe für aussagestarke Experimente geprägt.

Nach 1-2 Monaten erhalte ich durch Freunde meine ersten Projekte: eine Broschüre, ein paar Button-Designs und zwei Anzeigen. Ich öffne Illustrator – Textedit – Copy – Paste – et voila … Aber auch nur fast. Der Textrahmen zeigt eine riesige Sammlung von Rechtecken. Hm … ach ja, da war doch was … arabische Schrift. Wie war das noch mal mit Unicode etc.? In Textedit sieht alles gut aus. Ein Freund weist mich darauf hin, dass ich Illustrator Middle-East brauche, das um ein “Von-rechts-nach-links-Schreib-Texttool” reicher ist. Ein paar Installationen später kann ich beginnen. Trotz Sprachkurs an der Universität Teheran fällt Satzarbeit schwer. Situationen wie: Wo kann ich trennen … ach, ich muss von rechts nach links markieren … warum bewegen sich diese verdammten Pfeiltasten immer in die entgegengesetzte Richtung … oder oh, stimmt das Cover muss auf die Rückseite … gehören zum Alltag.

In den nächsten Monaten machen mir das ultra langsame Internet, das ständig zusammenbrechende Mobilfunknetz und die häufigen Stromausflle die Arbeit schwer. Als ich Reza Abedini, einen bekannten iranischen Designer, kennenlerne und darauf anspreche, erwidert er nur gelassen: This is Iran; expect the unexpected.” Weiter frage ich ihn, wie es denn eigentlich mit Copyright hier sei. “Copyright?” erwidert er lächelnd, “Im Iran kann der Autor eines Buches froh sein, wenn er bei der Neuauflage seines Buches benachrichtigt wird.” Für Designer gilt Anarchie.

Ich verlasse sein nach Räucherstäbchen und Zigaretten riechendes Office, das voll von westlichen Designbüchern und öststlichen Inspirationsquellen ist und mache mich auf den Weg neue Eindrücke zu sammeln. Davon scheint es im Land von Hafez und Co unendlich viel zu geben. Nichts ist perfekt und kalkulierbar – das macht das Leben hier spannend.In a series called “Graphic design intercultural” starting off with Iran I want to tell about my experiences as a Designer working in different cultures so that we can broaden our professional horizons.

Please see the gallery. It contains a selection of nice Iranian Graphic Design samples. Of course, it is only a selection so it gives only a hint at the immense variety of fabulous pieces that exist.

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“Iran ????!!?!?!?!?! Are you insane? ”

I hear this question almost daily before my departure. Misunderstanding, mistrust, fear. But how is it there, really, where noone wants to go? After a few years as a designer in Germany, I am at the age where most people are either becoming successful or having children. I make my decision: Get out in the world, broaden my horizons. It’s now or never. But where do I go?

After a long internal debate, my mind settles on a long-standing invitation from an Iranian designer friend. I am always welcome I think, ‘Why not now?’

Apart from what the media serves me every day, I know nothing about the country, its culture or its people. Its time to make my own judgment. A few calls, a trip to the embassy in Frankfurt, and, voila, I’m in Tehran.

Since I have already worked as a freelancer in Germany, I’m not necessarily bound to any particular place. Through my friend I am lucky to quickly get in touch with the Iranian creative scene.

The Islamic Republic of Iran: politically unique. The country’s logo: also unique given its simplicity, which contrasts sharply with the usual pattern and playfulness of Iranian design.

Incredibly warmly and hospitably welcomed to my new home, I walk through the streets of the city of Tehran, home to 20 million, and see lights. No, not from LSD in my Chai, but from the glow of Neon signs along the road. Usually reserved for certain establishments in Germany; here neon blue, red and green lights dominate the scene. Everything is blinking and flashing in similar fonts and standard sizes, yet seems anything but standardized thanks to the dislike for levels in this country. I am inspired by the unusual appearance of the ever-present Arabic script. On this street, I see no posters, no advertising spaces, no city lights and no billboards. The few billboards i see are painted with governmental religious motifs. They show martyrs, imams, white doves, and stylized rainbows.

On the next road I see my first Billboard. Wow: The new Nissan. The copy says: the new Nissan. The picture shows the new Nissan. Hmm. Did I overlook something? No, there it is: the good old Black in front of hut. Unexpectedly to me, he would cross my way often in the Islamic Republic.

After a few days in the city, I notice that advertisements for wrinkle cream are done with peaches and for “Always” with roses instead of women. That’s where boundaries make for creativity. There is more advertising than I initially thought – unfortunately they are – except for a few positive examples, such as the charity organization MAHAK – mostly idea-less and product-oriented.

I wonder where posters from concerts, etc. can be found. At a young, creative-scene party i am invited by a new friend to a graphic design exhibition. Reserved in Germany for famous designers only, I find that here exhibitions are common even for ordinary designers.

A few days later I am on my way to the exhibition. On the way, I see a surreal ROSHD-Rice poster hanging on a bridge, with photos of babies, elephants, rice, parrots and eggs that advertises for basmati rice. All images are scaled to one size – copy doesn’t exist. Photoshop can be bought at any corner for 5 U.S. dollars.

After 1.5 hours in a 35-year-old IranKhodro taxi – only 3 blocks down the road – I finally arrive, my eyes feeling happy. The posters that I see shine full with a sense of typography, color and form. The to-me-unknown designer shows poster work on individual words using old calligraphic styles. He mixes this ancient Persian art form with modern reproduction techniques and skillfully uses the results in a minimalist environment. It reminds me of art.

By this time I start to understand that a really clear demarcation between art and design does not exist here. Through a friend I am invited to give a lecture for professional designers at VIJE – college for visual communication in Tehran. I am happy and want to include the topic ‘art/design’ in my talk. Even the discussion after the presentation shows that both are likely to be mixed up. Many young, talented, and open-minded designers are present. I’m surprised.

In the following weeks, I see lots of exciting and inspiring posters and book layouts. In terms of corporate design, most designs lack strategy. In general, neither systematic nor constant logo-work or CD-Implementation  are anywhere to be found.

Wonderful patterns, great calligraphic influences, inspiring mythological material, but often a lack of concept. Thats how I experience Iranian graphic design after some time in the country – with a penchant for playfulness, drawing inspiration from the depth of cultural traditions and a strong love for experimentation.

My first projects come in time: a brochure, a few button designs and two ads. I open Illustrator – textedit – Copy – Paste – et voila – But only almost. The text box displays a huge collection of rectangles. Hmm, oh yes, what was that, Arabic writing. How about Unicode, etc.? In textedit everything looks fine. A friend shows me that I need Illustrator Middle East which basically is my Illustrator plus a “From-right-to-left text-writing tool”. A few installations later I can begin. Despite a language course at the University of Tehran, working with typography is hard. Situations such as: How do I select – oh, must be from right to left – why do these damn arrow keys always move in the opposite direction – or oh, the cover must be on the back are common in everyday life.

In the coming months the ultra-slow Internet, the continually collapsing mobile network and the frequent power outages make work hard. When I meet Reza Abedini, a famous Iranian designer and ask him he only retortedly says: “This is Iran – expect the unexpected.”

I leave his incense and cigarettes smelling office, which is full of western design books and eastern sources of inspiration, and go on my way gathering new impressions. It seems like there is infinite scope for them in the land of Hafez and Co. Nothing is perfect or predictable, which makes life here exciting.

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Comments

  1. says

    I mean the”bild15″,the red Alphebit makes me feel it looks like blood!The blood Alphebit is bleeding.I don’t know why i have this feeling.
    Today i saw your web-site again,and it made me remember when i was in Iran,a group of young gils said to me:hi,this is blackboard!I felt pain in my heart…

  2. admin says

    ah, now i see what you mean by blood …
    All the images that you see with the article are made by iranian designers and not by me :-) as it is about iranian graphic design and to give people outside Iran an impression of their Design world. Their names are in the lower left corners of the opening pop ups when you click on an image.

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